Markterkundung - Marktübersicht - Basis - §§ 20 UVgO, 28 VgV

Markterkundung und Dokumentation sind in den  §§ 6, 20 I UVgO sowie §§ 8 I, 28 VgV geregelt. Die UVgO wird durch Einführungserlasse etc. in Bund und Ländern weitgehend anzuwenden.  Insofern sind aktuelle Mitteilungen inbsondere einzelner Länder zu beachten.

UVgO Unterabschnitt 3 Vorbereitung des Vergabeverfahrens

§ 20 Markterkundung

(1) Vor der Einleitung eines Vergabeverfahrens darf der Auftraggeber Markterkundungen zur Vorbereitung der Auftragsvergabe und zur Unterrichtung der Unternehmen über seine Auftragsvergabepläne und -anforderungen durchführen.

(2) Die Durchführung von Vergabeverfahren lediglich zur Markterkundung und zum Zwecke der Kosten- oder Preisermittlung ist unzulässig.

 Kommentierung (aus Bartl/Bartl/Schmitt, UVgO, 2017)

1. Markterkundung oder Bestimmungsrecht mit Grenzen

Markterkundung und Marktübersicht sind Grundlagen eines professionellen Einkaufs. Insofern ergeben sich erhebliche praktische Probleme; denn die Markterkundung ist speziell bei Lieferungen und Dienstleistungen teils sehr aufwändig. Ferner drohen bei Kontaktaufnahme etc. mit Unternehmen Interessenkonflikte (vgl. § 4 UVgO – siehe dort). Werden Unternehmen z. B. als Berater für die Markterkundung eingesetzt, so entsteht möglicherweise eine Wettbewerbsverzerrung durch Wissensvorsprünge i. S. d. § 5 UVgO (siehe dort).

 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Auftraggeber den Markt erkunden „darf“. Von einer zwingenden Pflicht ist nicht die Rede.

Teils wird wohl auch deshalb angenommen, dass eine Markterkundung nicht erforderlich ist. Vielmehr wird vertreten, dass dem Auftraggeber das „Bestimmungsrecht“ zu steht, dessen Grenzen allerdings zu beachten sind.

Vgl. etwa OLG Düsseldorf, Beschl. v. 27.7.2012 – Verg 7/12 - ZfBR 2012, 723 – Anti-Grippe-Impfstoffe – zum Bestimmungsrecht des Auftraggebers – „.... technische und ästhetische Anforderungen bestimmt der Auftraggeber. Es ist grundsätzlich keine Markterforschung oder Markterkundung notwendig, ob eine andere Lösung möglich ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieses Bestimmungsrecht grenzenlos ist; die Anforderung muss vielmehr objektiv auftrags- und sachbezogen sein. Des Weiteren muss die Begründung nachvollziehbar sein.... Die Oberlandesgerichte Jena (Beschl. v. 26.6.2012 – Verg 2/06 – Anna-Amalia-Bibliothek) und Celle (Beschl. v. 22.5.20-- – 13 Verg 1/08 – Farbdoppler-Ultraschallsystem) gehen demgegenüber davon aus, dass der Auftraggeber sich zunächst einen Marktüberblick verschaffen und dann begründen muss, warum eine andere als die von ihm gewählte Lösung nicht in Betracht kommt. Die zuletzt genannte Auffassung engt nach Auffassung des Senats das Bestimmungsrecht des Auftraggebers zu sehr ein. Solange die Anforderung nicht dazu führt, dass die Ausschreibung auf ein oder wenige Produkte zugeschnitten ist, wird dem Grundsatz der Vergabe im Wettbewerb und der Wahrung der Bietervielfalt hinreichend Rechnung getragen. Die Vergabenachprüfungsinstanzen können dem Auftraggeber nicht eine technische oder ästhetische Lösung vorschreiben, die zwar auch in Betracht kommt, aber vom Auftraggeber aus nachvollziehbaren Gründen nicht gewünscht wird....“

 Sicherlich darf der Auftraggeber die vergaberechtskonforme Leistungsbeschreibung bestimmen. Was er nicht gebrauchen kann, darf er nicht beschaffen. Richtig ist auch, dass die Bestimmung der Leistung in der Regel „zunächst“ grundsätzlich in den sog. Fachabteilungen (oder auch Bedarfsstellen) erfolgt. Ob dies allerdings vergaberechtskonform durchgeführt ist, ist damit nicht beantwortet.

Spätestens nach Eingang des Beschaffungsantrags in der Beschaffungsstelle wird sich die Frage stellen, ob die Leistung XYZ den Erfordernissen und insbesondere dem § 23 I UVgO entspricht und ohne Diskriminierung anderer Anbieter gewählt werden darf oder die Grenzen des Bestimmungsrechts überschritten sind. Ob dies der Fall ist oder nicht, hängt auch von den Marktverhältnissen ab. Es mag sein, dass im Einzelfall eine Markterkundung entbehrlich sein kann. Will man aber sicher sein, dass die Grenzen des Bestimmungsrechts nicht überschritten sind, so wird es ohne jegliche Markterkenntnisse nicht gehen.

Vgl. auch Kulartz u. a., VgV, § 28 Rn. 5 f; Bartl, VgV, § 26 Anm. 1.

 Teils wird für das oberschwellige Verfahren eine europaweite Markterkundung verlangt – im Übrigen ist das Problem des „grenzüberschreitenden Interesses“ nicht aus dem Blick zu  verlieren.

Vgl. EuGH, Urt. v. 15. 10. 2009 - C-275/08 – NZBau 2010, 63 -= VergabeR 2010, 57, m. Anm. v. Schabel - „Kraftfahrzeugzulassungssoftware” - Verhandlungsverfahren ohne öffentliche Bekanntmachung nur bei Nachweis dringlicher, zwingender Gründe (nur ein Unternehmen).

 Es ist durchaus möglich, zunächst die Leistung zu bestimmen und sodann weitere Lösungen auf dem Markt zu suchen und zu finden – insbesondere, um die Grenzen des Bestimmungsrechts einzuhalten und sachliche Gründe für die Leistungsbeschreibung mit bestimmten Merkmalen dokumentieren zu können.

 Es dürfte aber in vielen Fällen vergaberechtswidrig sein, wenn Entscheidungen ohne Markterkundung getroffen werden. Wie soll sonst die auch vom OLG Düsseldorf, aaO, geforderte nachvollziehbare Begründung bzw. „Grenzziehung“ erfolgen – ganz abgesehen von der Schätzung des Auftragswerts etc. Allerdings verbietet das OLG Düsseldorf, aaO, nicht die Markterkundung, sondern möchte möglicherweise sogar das Vergabeverfahren durch die vielfach vor allem im Bereich der VOL/A (Produkt- und Leistungsvielfalt etc.) sogar nur entlasten.

 In der Praxis stellt sich zudem die Frage nach dem jeweiligen „Ansatz“ im Einzelfall:

Variante I:

Bestimmung und dann Absicherung durch Markterkundung

Variante II

Markterkundung und dann Bestimmung.

Vielfach wird im unterschwelligen Verfahren die Variante I anzuwenden sein, da bereits ausreichende Kenntnisse über die „Leistungsmerkmale“ vorliegen.

Die Variante II hingegen wird man als Vorgehensweise wählen, wenn nichts oder zu wenig bekannt ist, ob und welche Leistungen auf dem Markt angeboten werden.

 Nach den Entscheidungen des OLG Düsseldorf, dem die Gerichte und Vergabekammern gefolgt sind, ist in der Markterkundung nicht der erste Schritt zu sehen. Vielmehr darf der Auftraggeber sein „Bestimmungsrecht“ innerhalb der vergaberechtlich vorgegebenen Grenzen ausüben. Der Auftraggeber bestimmt danach in einem ersten Schritt die entsprechende Leistung und begründet dies in einem zweiten Schritt mit technischen, wirtschaftlichen etc. Gründen – dokumentiert, plausibel und nachvollziehbar.

 Vorgehensweise

 

1. Bestimmung der Leistung

2. Begründung der Bestimmung

Technische Gründe

Wirtschaftliche Gründe

Sonstige Gründe

Sicherheit der Stühle etc.

Bereits vorhandene Ausstattung etc.

Medizinische Gründe für Stuhlauswahl etc.

 

Fragen:

Ist das Bestimmungsrecht ohne Markterkundung und Marktübersicht möglich?

Können die zuvor genannten erforderlichen „Gründe“ ohne „Blick in den Markt“ erarbeitet werden?

Kann die Gefahr ausgeschlossen werden, dass „grundlos“ nur ein Produkt in Betracht gezogen wird?

Ergebnis:

Auch dann, wenn man dem Auftraggeber das „Bestimmungsrecht“ grundsätzlich zugesteht, sind die Probleme nicht gelöst (vgl. §§ 2 I, III, 7 IV VOL/A):

Wettbewerb?

Transparenz?

Diskriminierungsverbot?

Produktneutralität der Leistungsbeschreibung?

Missbrauch des Vergabeverfahrens zu Zwecken der Markterkundung?

Empfehlung:

Bei Bestimmung der Leistung durch die Fachabteilungen, ist zumindest eine Absicherungsmarkterkundung in zumutbarer Weise durchzuführen (Verhältnismäßigkeitsgrundsatz).

 

Die Ausübung des „Bestimmungsrechts“ erfordert nachgewiesene und dokumentierte Gründe – z. B.:

-         Nur diese Software kommt in Betracht: Sie weist die erforderlichen Alleinstellungsmerkmale auf (z. B. bestimmte Module etc.)

-         Nur dieser Auftragnehmer kommt in Betracht: nur er darf die erforderliche Anpassung, Weiterentwicklung etc. aus urheberrechtlichen Gründen ausführen (Software ist urheberrechtlich geschützt – vgl. §§ 69 a ff UrhG)

-         Nur dieser Weg ist möglich: eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zeigt, dass zwar mehrere Lösungswege in Betracht kommen, aber lediglich die Lösung X erheblich wirtschaftlicher ist als andere Wege

-         Nur dieser Weg ist möglich: andere Lösungswege scheitern an technischen Vorgaben (Kompatibilität, Schnittstellen etc.)

-         etc.

Notwendig wird in diesen Fällen vielfach eine nachvollziehbare und zutreffende Sachverständigenexpertise etc. sein.

Allgemein gehaltene Ausführungen wie „IT – technische“ Besonderheiten reichen nicht. Die technischen oder sachlichen Nachweise müssen konkret formuliert, sachlich richtig und nachvollziehbar, vor allem aber auch nach §§ 6 I, 20 UVgOausreichend dokumentiert sein.

 2. Zulässigkeit der Markterkundung

Zutreffend gestattet § 20 I UVgO dem Auftraggeber Markterkundungen

- „vor der Einleitung eines Vergabeverfahrens“

- zur Vorbereitung der Auftragsvergabe

und

- zur Unterrichtung der Unternehmen über seine

-- Auftragsvergabepläne

-- und –anforderungen.

 

2.1. „Beginn des Verfahrens“

Vergabeverfahren „beginnen“ mit Absendung der Bekanntmachung bzw. mit Aufforderung zur Teilnahme oder Angebotsabgabe. Zuvor werden sie nicht „eingeleitet“.

Vgl. OLG Frankfurt a.M., Beschl. v. 10.11.2015 - 11 Verg 8/15 – ÖPNV – Direktvergabe – „Beginn des Verfahrens“.

 Was zu Zwecken der Markterkundung in dieser Phase der Vorbereitung des Verfahrens unternommen wird, entscheidet der Auftraggeber nach pflichtgemäßem Ermessen. Zwar gelten wohl die vergaberechtlichen Grundsätze des § 97 I, II GWB bzw. des § 2 I, II UVgO möglicherweise noch nicht. Sachwidrige oder willkürliche Bevorzugungen durch Kontaktaufnahme mit Unternehmen z. B. mit dem Ziel der Benachteiligung anderer Unternehmen sind jedoch nicht zulässig. Welche, wie viele und zu welchem Zeitpunkt der Auftraggeber wie anspricht, entscheidet er nach Lage der jeweiligen Beschaffung.

 

Jedenfalls ist er nicht gehindert, die Markterkundungsphase zu beenden, wenn er die erforderliche Marktübersicht hat, um Leistungsbeschreibung, Vertragskonditionen oder auch die Schätzung des Auftragswertes festzulegen.

Mit der Kontaktaufnahme ist zwingend die Mitteilung der jeweiligen Beschaffungsabsicht verbunden.

2.2. „Kritische Schritte“

 Kritisch werden Markterkundungsschritte, wenn bei dieser Gelegenheit vergaberechtswidrige Kenntnisse und Vorteile bei einzelnen Unternehmen gefördert werden – oder auch z. B. kartellfördernde Kontakte durch gemeinsame Ortsbesichtigungen mehrerer Unternehmen.

Die Kontakte sind daher getrennt und, soweit möglich, neutral durchzuführen. An Interessenkonflikte und Folgen der Mitwirkung an der Vorbereitung des Vergabeverfahrens ist zu denken (§§ 4, 5 UVgO- vgl. auch  §§ 126 Nr. 5., 6. GWB, 6 ,7 VgV).

Hierzu etwa EuGH, Urt. v. 12.03.2015, C - 538 /13 – eVigilo –- Interessenkonflikt.

 Genutzt werden können im Übrigen alle möglichen Erkenntnismittel (Suchmaschinen im Internet, Kataloge, Prospekte, Tests etc.).

Nach § 6 I UVgO (siehe dort) ist das Vergabeverfahren von Anbeginn fortlaufend zu dokumentieren. Insofern stellt sich die Frage nach der Dokumentation der Markterkundungsphase.

Wie o. angeführt, „beginnt“ das Vergabeverfahren mit Bekanntmachung bzw. Aufforderung zur Angebotsabgabe (vgl. §§ 27, 28 UVgO). § 8 I VgV ist hier weitergehender, wenn dazu auch „z. B. die Dokumentation der Kommunikation mit Unternehmen und interner Beratung, die Vorbereitung der Auftragsbekanntmachung und der  Vergabeunterlagen“ gehört.

Vor dem „offiziellen Beginn“ (Bekanntmachung etc.) werden die relevanten Entscheidungen getroffen (vgl. o. § 6 Anm. 1.1.). M. E. gehört auch unterhalb der Schwellenwerte der sog. „Vorlauf“ zur Vorbereitung des Verfahrens – und damit auch die Markterkundung – zur Dokumentation, wenn diese auch keine besondere „Tiefe“ aufweisen muss (Teilnehmer, Besprechungspunkte, Dauer, Datum).

Vgl. insofern für die oberschwellige Vergabe Bartl, VgV, § 8 Anm. 1.1.; auch  Kulartz u. a., VgV, § 8 Rn. 8.

 3. Missbrauch der Markterkundung

Nicht die Markterkundung ist in § 20 UVgO untersagt. § 20 II UVgO (auch § 28 II VgV) verbietet die Durchführung von Vergabeverfahren „lediglich zur Markerkundung“ etc., mithin für vergabefremde Zwecke und Ziele. Es ist Aufgabe des Auftraggebers, die Vergabeunterlagen, insbesondere die Leistungsbeschreibung etc. zu erarbeiten. Hierbei sind alle möglichen Erkenntnismittel auszuschöpfen. „Vergabereife“ muss vorliegen.

OLG Düsseldorf, Beschl. v. 27.11.2013 - VII - Verg 20/13 – Ausbau Bahnstrecke Freilassing - Salzburg –Vergabereife (Leistungsbeschreibung, tatsächliche und rechtliche Voraussetzungen für fristgemäßen Beginn) – Leitsätze: „Vergabereife ist vom Auftraggeber in jedem Vergabeverfahren vor der Ausschreibung herzustellen, ... Zur Vergabereife zählen eine eindeutige und erschöpfende Leistungsbeschreibung, aber auch, dass die tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen für einen fristgemäßen Beginn der Ausführung vom Auftraggeber geschaffen worden sind (hier: sofort vollziehbarer Planfeststellungsbeschluss).“

 Optionen und Bedarfspositionen oder auch Parallelausschreibungen sind zu vermeiden, solange die Möglichkeit (unter Berücksichtigung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatze) besteht, die Leistungsbeschreibung eindeutig, erschöpfend und für alle gleich verständlich gemäß § 23 UVgO (vgl. auch §§121 GWB, 31 VgV) zu erarbeiten. Es ist nicht Aufgabe des Auftragnehmers, den wirtschaftlichsten Weg für den Auftraggeber zu finden.

OLG Celle, Beschl. v. 8.11.2001 - 13 Verg9/01 - NZBau 2002, 400 - Parallelausschreibung von Bau- und Dienstleistungen – „Zwar ist nicht jede Parallelausschreibung unzulässig. Sie kann geboten sein, wenn berechtigte Interessen der Bieter im Hinblick auf einen unzumutbaren Arbeitsaufwand gewahrt werden. ….Mit der Vergabekammer  Thüringen  (Vergaberechtsreport 6/01) ist der Senat der Auffassung, dass ein Vergabeverfahren nicht der Markterkundung und Wirtschaftlichkeitsberechnung geplanter Verfahren dienen darf. Das ist ein vergabefremder Zweck, so dass eine solche Ausschreibung gegen die Grundsätze der Ausschreibung gem. den §§ 16 Nr.2 VOB/A u. VOL/A verstößt und damit nicht den Anforderungen des § 97 GWB entspricht. Eine so angelegte Vergabe wird intransparent und stellt im Übrigen einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot des § 97 II GWB dar, da die gewählte Vergabeform einen Vergleich von Angeboten mit unterschiedlichen Leistungsinhalten und Leistungszielen voraussetzt, mithin Ungleiches gleich behandelt ...“

Zur funktionalen Leistungsbeschreibung vgl. o. § 23 UVgO.

Erläuterungen

§ 20 Markterkundung

  • Die Vorschrift entspricht wortgleich § 28 VgV.

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Bis zum Eingreifen der UVgO (Erlasse 2017 und 2018 etc.) bzw. VgV (18.4.2016) geltendes Recht

  1. Unumgänglich Markt- und Preisübersicht
  2. Markterkundung - Marktübersicht - Basis
  3. Preisübersicht der Bedarfsstelle - Basis
  4. Besonderheiten der Markterkundung/Marktübersicht in EU-weiten Vergabeverfahren
  5. Schreiben an Auftragsberatungsstelle/n:
    1. Uunmgänglich Markt- und Preisübersicht

 

      Hinweis: Die Markterkundung - vgl. § 4 VOL/A -  gehört nicht zum Vergabeverfahren, sondern stellt eine Vorstufe dar. Folglich greift der Gleichbehandlungsgrundsatz nicht ein, d.h. daß die Vergabestelle lediglich die erforderlichen Maßnahmen ergreift, die nach ihrem Ermessen notwendig sind, um zur Marktübersicht zu gelangen. Es müssen also nicht alle potenziellen Bewerber/Bieter abgefragt werden, lediglich die Anzahl, die ein nachvollziehbare Marktübersicht ermöglichen. Gälte der Gleichbehandlungsgrundsatz, so müssten alle Bewerber/Bieter einbezogen werden, da allein durch die Anfrage eine frühe Erkenntnis über die Beschaffungsabsicht bei den potenziellen Bewerber/Bietern vorläge (Wettbewerbsvorteil). Die mit der "eingeschränkten Abfrage" etc. verbundenen eventuellen Nachteile für nicht befragte potenzielle Bewerber/Bieter wird also hingenommen.



      Ohne Markterkundung, Marktübersicht und

Preisübersicht

      darf und kann kein Vergabeverfahren erfolgreich und fehlerlos durchgeführt werden. Die entsprechenden Schritte sind nachzuweisen und müssen sich aus der Vergabeakte ergeben. Unvollständige oder gar unterlassene Markterkundungen sowie fehlende Markt- und Preisübersicht gehören zu den größten

Fehlern

      des Vergabeverfahrens. Von dem Ergebnis der Markterkundung, der Marktübersicht sowie der Preisübersicht hängen mehrere wesentliche Entscheidungen des Verfahrens mit ab, nämlich Da die

Bedarfsstelle

      meist die größte Nähe zum

Beschaffungsgegenstand

      aufweist, sollten deren Kenntnisse in diesem Zusammenhang über die

Bedarfsanmeldung

      ausgeschöpft und gegebenenfalls sodann durch die

Beschafffungsstelle

      ergänzt werden. Der

Beschaffungsanlaß

      und

Beschaffungsgegenstand

      werden im Regelfall durch die Bedarfsstelle festgestellt. Dort sind auch regelmäßig jedenfalls gewisse Marktkenntnisse und Vorstellungen vorhanden, zumal die Bedarfsstelle Ziel der Akquisitionsbemühungen der potentiellen Bieter ist.



      Sinnwidrig ist es, wenn die

Bedarfsstelle

      ihren jeweiligen Bedarf lediglich stichwortartig an die

Beschaffungsstelle

      weitergibt, sofern es sich nicht um Trivialbeschaffungen oder z.B. Beschaffungen handelt, die bereits mehrfach Gegenstand eines Vergabeverfahrens waren. Das führt nur zu überflüssigen Rückfragen und Zeitverzögerung. Im übrigen ist es die

Bedarfsstelle

      , die später mit der vergebenen

Leistung

      arbeiten wird. Sie müßte folglich auch ein entsprechendes Interesse daran haben, die erforderliche Marktübersicht zumindest mitzuerarbeiten.



    1. Erkundung des Teilnehmerkreises - vgl. § 4 VOL/A - Basis:

 

  • Fachzeitschriften
    • wenn ja, welche, Fundstelle:
  • Sonstige Veröffentlichungen
    • wenn ja, welche, Fundstelle:
  • Messen - Ausstellungen
    • wenn ja, welche Veranstaltung und wann:
  • Anbieterinformationen/-präsentationen
    • wenn ja, welche, Fundstelle:
  • Eigene Lieferanten-/Herstellerbesuche
    • wenn ja, wer, wann und mit welcher Information:
  • Lieferanten-/Herstellerbesuche bei Bedarfsstelle/Beschaffungsstelle
    • wenn ja, wer, wann und mit welcher Information:
  • Probe/Muster/Testgegenstand:
  • Adreßbuch:
  • Branchenhandbuch:
  • Bezugsquellennachweis:
  • Gelbe Seiten:
  • Offizielle Statistik:
  • Verbandsstatistik:
  • Internet - "http//www.warentest.de" etc.
  • Sonstige Zusammenstellung:
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Auskünfte

  • Anfragen bei anderen Abteilungen der Vergabestelle
    • wenn ja, bei welcher Abteilung und mit welchem Ergebnis:
  • Anfragen bei anderen Behörden
    • wenn ja, bei welcher Behörde und mit welchem Ergebnis:
  • Anfrage bei KBSt.
    • wenn ja - mit welchem Ergebnis:
  • Voranfragen bei Firmen
    • wenn ja, bei welchen Firmen und mit welchem Ergebnis:
  • Anfragen bei Fachleuten
    • wenn ja, bei wem und welchem Ergebnis:
  • Anfrage bei berufsständischen Vertretungen
    • wenn ja, bei welcher berufständischen Vertretung und mit welchem Ergebnis:
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  • Sonstige:
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  • Tests - Testergebnisse
  • Produktübersichten
  • Mitwirkung von Sachverständigen "zur Klärung rein fachlicher Fragen" ( "Zweckmäßigkeitsfrage")
  • "Auftragsberatungsstellen
  • Anfrage bei Berufsvertretung - vgl. § 6 2. VOL/A
  • Gutachten - vgl. § 6 VOL/A
  • Unternehmensberatung - vgl. § 6 VOL/A
  • Sonstiges:
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Markterkundung - Ergebnis - Marktübersicht - Bieterübersicht:

Zahl der Anbieter scharfer/geringer Wettbewerb
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    1. Preisübersicht der Bedarfsstelle - Basis:

 

Mindestpreis:
Höchstpreis:
Durchschnittspreis:
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      Basis der Preiserkundung/Preisübersicht:
  • Preisvergleiche
  • Preislisten der Firmen
  • Neutrale Preisübersichten
  • Produktübersichten
  • Eigene Feststellungen
  • Bisherige Vergabeverfahren
  • Preisauskünfte anderer Behörden
  • Sachverständige
  • Sonstiges:
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    1. Besonderheiten der Markterkundung bzw. der Marktübersicht in EU-weiten Vergabeverfahren bis 18.4.2016



      Auswertung der Informationsquellen:
      • Internationale Fachzeitschriften
      • Internationale Veröffentlichungen - Anbieter teils inzwischen auf Disketten/CD/Internet ersichtlich
      • Internationale Messen - Ausstellungen
        • Anbieterinformationen/-präsentationen
        • Internet - Waren- Leistungstests ("...test.de")
        • etc.

 

    • Erkundung des Teilnehmerkreises - grundsätzlich obligatorischer Teilnehmerwettbewerb im Nichtoffenen sowie im Verhandlungsverfahren - vgl. §§ 4, 3 a Nr. 1 VOL/A
      • Anfragen bei ausländischen Behörden
      • Voranfragen bei Firmen im EU-Bereich
      • Anfragen bei Fachleuten - international
      • Anfrage bei ausländischen berufsständischen Vertretungen
      • Ausländische Botschaften
      • Wirtschaftsvertretungen des Auslands
      • Bundesamt für Wirtschaft, Eschborn
      • EU-Abteilungen
      • Ausländische Handelskammern
      • Wirtschaftsministerien der EU-Staaten
      • International tätigen Unternehmensberatern - vgl. § 6 VOL/A
      • ___________________________________
      • ___________________________________
        Markterkundungsraster B1 B2 B3 Preise Ausführungsfrist Konditionen Verjährungsfrist AGB Sonstiges Besonderheiten Merkmale 1 x x x 2 x x x 3 x x x 4 x x x 5 x x x 6 x x 7 x x 8 x 9 x 10 y 11 z Beschränkte Ausschreibung Beschränkte Ausschreibung Freihändige Vergabe  ~0224